Pitt Leuschner Malen ist für mich keine Freizeitbeschäftigung, sondern die intensive Umsetzung von ästhetischen Ideen in reale Bilder. Das Ziel ist das ständige Bemühen um die Neugestaltung einer menschlichen Figur und immer neue Variationen zu „Kopfstudien“ als ästhetische Verfremdung. Die Verfremdung ist Ausführung einer Reihe von unvorhergesehenen Ereignissen, die notwendig aufeinander folgen, so dass sich einer Verwandlung des Bildes im Laufe der Arbeit vollzieht. Es bleibt immer ein Zufall und es entsteht ein Spannungsfeld zwischen figurativer Malerei und einer Abstraktion als Verfremdung. Die Motivation, ein Bild zu malen, ist für mich das Machen selbst, das Arbeiten, das Konzentrieren, das Abwägen, das Ändern. Dieser Vorgang ist meist ein Akt des Zufalls. Zeichen, Striche, Linien, Farbflecke werden gesetzt – zufällig und wieder zerstört und neu gesetzt – spontan, wild, möglichst mit einem großen Pinsel und mit Acrylfarben auf Filzpappe (meist 1,00 x 0,80 m oder 1,20 x 1,00 m) - spontaner Zufall. Das Arbeiten erfolgt sehr schnell und großzügig, um die Zufallskomponente in die Gesamtdarstellung zu integrieren und nicht an Details hängen zu bleiben. Nach jedem Schritt erfolgt das Überprüfen, dies wird durch den Verstand durchgeführt. Die Aktion des Malens ist frei, ungebunden – vielleicht ungezügelt – und wird sofort durch den Verstand überprüft. Ein ständiges Wechselspiel zwischen spontanem Zufall und Verstand als intellektuelle Entscheidung, ein iterativer Prozess bis zur Vollendung des Bildes, das immer einen ästhetischen Qualitätsanspruch erlangen soll. Der Zufall ist natürlich ein Auswahlprozess – immer eine persönliche Entscheidung aus einem gespeicherten Repertoire der Erfahrung und der kulturellen Basis, des persönlichen Intellektes. So entsteht die Lebendigkeit des Zufalls ohne illustrativen Charakter und ohne Erzählung einer Geschichte. Der Zufall ist ein inspirierender Zufall. Man ist eins mit dem zu malenden Bild und mit dem Akt des Malens. Es ist ein Handeln aus dem Instinkt. Alle Kunst kann als Instinkt bezeichnet werden, der aus intensiver Übung resultiert und Wissen mit Praxis verbindet. Es ist ein interaktiver Prozess aus unbewusstem, bewusstem und instinktivem Arbeiten. Stets verbunden mit einer Kritik aus eigenem visuellen Instinkt durch Beobachten als Korrektur auf das Ziel. Am Ende des Prozesses entsteht ein Werk. Ob es gelungen ist oder nicht fällt mir schwer zu bewerten, deshalb habe ich immer externe Kritik und Anregung durch gute Lehrer gesucht.